Gesine Palmer: Ein Freispruch für Paulus
John Tolands Theorie des Judenchristentums
Gesine Palmer erschließt in ihrer Berliner Dissertation sensibel
Hintergrund, Argumentation und Intention des „Nazarenus“ von John Toland und
konturiert die aktuelle Bedeutung des Werkes, indem sie Tolands Thesen in Beziehung
setzt zu gegenwärtigen Debatten über das Gesetz. Claus-Michael Palmer wiederum
hat den 1718 und dann noch einmal 1732 englisch erschienenen und seither nicht
wieder aufgelegten Text des „Nazarenus“ für den Neudruck vorbereitet und die
Unterschiede zwischen dem gedruckten englischen Text und der handschriftlich
überlieferten französischen Fassung auf einen Blick erkennbar gemacht.
Interpretation und Text, endlich wahrgenommen, werden beides mitprägen – die
künftige Debatte über das Gesetzesverständnis des Paulus und die allererst begonnene
neue Rezeption der Größe „Gesetz“ in christlicher Theologie.
„Die Vf.in begnügt sich nicht mit der rein historischen Arbeit, sondern nimmt
Tolands Kritik am christlichen Antinomismus positiv auf und profiliert sie mit
sachkundigen Exkursen zur Rolle des Gesetzes im alten Rom. Schließlich verbindet
sie damit Hermann Cohens Kritik an der Unterscheidung von Legalität und Moralität
und empfiehlt der christlichen Dogmatik eine Rückgewinnung des politischen Gesetzesbegriffs
der Antike. Gerade mit diesen Passagen dürfte sie wichtige Diskussionen auslösen.“
(Theologische Literaturzeitung 1998)
„Nicht nur für die theologische Diskussion über das Verhältnis von Glaube und
Gesetz, sondern auch für die aktuelle Frage nach dem Verhältnis von Kirche und
Staat ist die sorgfältige und in der Form eines Gerichtsverfahrens aufgebaute
Arbeit Palmers (Streitproblem, Verfahrensfragen, Texte, Verhandlung, Freispruch)
eine anregende Lektüre.“ (Freiburger Rundbrief 1998)