07.09.18
 


Newsletter des Instituts Kirche und Judentum

 

Liebe Freundinnen und Freunde des Instituts Kirche und Judentum,

das Institut Kirche und Judentum blickt mit großer Spannung auf das neue jüdische Jahr – denn es wird eine größere Veränderung mit sich bringen. Das Institut bekommt eine weitere Professur zu seinem Personalbestand. Dank einer Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Landeskirchen und mit Unterstützung weiterer Stifter wird an der Humboldt-Universität eine Professur „Geschichte und Gegenwart des christlich-jüdischen Verhältnisses“ eingerichtet und voraussichtlich zum Sommer 2019 besetzt. Die Initiative zu einer solchen Professur entstand im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017, als nach einem deutlichen Zeichen gegenüber dem Judentum dafür gesucht wurde, dass die Evangelischen Kirchen hierzulande aus den schrecklichen antijüdischen und antisemitischen Entgleisungen der vergangenen fünf Jahrhunderte ein für allemal gelernt haben. Landesbischof Ralf Meister schlug eine Professur vor, auf der die Geschichte der antijüdischen und antisemitischen Verirrungen reformatorischer Theologie, aber auch die verheißungsvollen Aufbrüche im christlich-jüdischen Verhältnis erforscht werden und vor allem auch die Gegenwart dieses Verhältnisses bedacht wird. Denn in den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass Kenntnisse und Einsichten, die viele zum sicheren Bestand eines erneuerten Verhältnisses von Christentum und Judentum nach der Shoa hielten, verschwinden, wenn man sich nicht darum bemüht, dass sie an Menschen weitergegeben werden. „Der jüdisch-christliche Dialog ist doch jetzt durch“ lautet ein entsprechendes Fehlurteil. Inzwischen müssen wir leider auch schreckliche Taten im Gefolge solcher und anderer falscher Urteile, von Vorurteilen und Unkenntnis zur Kenntnis nehmen. Hinnehmen müssen wir das alles freilich nicht; gegen Antijudaismus und Antisemitismus ist ein Kraut gewachsen. Die Professur wird einen Beitrag dazu leisten, dass nichts vergessen wird, aber auch weiter an den Themen geforscht und gearbeitet wird. Natürlich wird eine solche Professur nicht Teil eines exklusiven Christenclubs sein, sondern gemeinsam mit jüdischen Kolleginnen und Kollegen forschen, jüdische Studierende anziehen und vielleicht auch von einem Menschen jüdischen Glaubens besetzt sein. Die Landeskirchen und die EKD machten sich diese Idee zu eigen, sammelten Geld – und dank einer Initiative des Bundes und der Länder und mit nachhaltiger Unterstützung der Präsidentin unserer Humboldt-Universität, Sabine Kunst, kann diese Professur nun sogar nach dem Ablauf der Stiftungsmittel in zehn Jahren verstetigt werden und dauerhaft in der Humboldt-Universität und am Institut installiert werden. Wir freuen uns auf die öffentliche Vorstellung des Projektes mit Landesbischof Meister, der Präses der Synode der EKD, Irmgard Schwaetzer, und Sabine Kunst am Montag, 22. Oktober 2018, um 18:00 – nähere Details der Einladung werden noch bekannt gegeben. Damit wächst das Institut wie die Evangelisch-theologische Fakultät und kann seine Aufgaben für die Wissenschaft und für die Kirche hoffentlich noch besser erfüllen.

 

Aber auch in der bisherigen Besetzung hat das Institut einige spannende Termine in den nächsten Monaten zu bieten wie den Beitrag des Instituts zum Schleiermacher-Jahr, der in Form eines Studientags am 26. November 2018 eine bisher nicht ausreichend bearbeitete Berliner Konstellation zum Thema jüdische Reform und Schleiermacher untersucht; oder die Eröffnung und Präsentation der von unserem früheren Leiter Peter von der Osten-Sacken mitgestalteten Ausstellung Martin Luther und die Juden am Reformationstag 2018 um 17:00 Uhr in der Theologischen Fakultät. Diese und weitere Termine stellen wir Ihnen in diesem Newsletter noch ausführlicher vor.

 

Im Blick auf die kommenden jüdischen Fest-Tage, soll aber nicht nur von künftigen Aktivitäten die Rede sein – dann hätte man sich die Chance dieses Festes entgehen lassen. Denn der Versöhnungstag ist ein großer Tag des Innehaltens – und wer je in einer jüdischen Stadt erlebt hat, wie der Verkehr unserer Tage plötzlich still steht, große Mengen oft in weiße Gewänder gekleideten Menschen aus der Synagoge kommen oder dorthin streben, wird dieses Erlebnis in der allgemeinen Hektik seines Lebens nie vergessen. Das neue Jahr soll süß sein – das gehört zu den verbreiteten Wünschen zum jüdischen Neuen Jahr. Es soll von den dunklen Seiten des eigenen Lebens frei machen – damit beginnt das neue Jahr. Und alles das wünscht auch das Institut Kirche und Judentum allen, die diesen Newsletter lesen und sich für seine Arbeit interessieren. Wir freuen uns, dass wir für Sie forschen und arbeiten dürfen!

 

Christoph Markschies, Leiter des Instituts

 

 
 

 

Gedanken zum jüdischen Neujahr und Versöhnungstag

von Rabbiner Edward van Voolen

 
 

 

Eine Achterbahn: So kann man sehr gut zusammenfassen, was Juden im September bevorsteht. Zuerst der Geburtstag der Welt: Was sind unsere Ziele für das neue Jahr? Und schauen wir zurück: Was ist gelungen und was nicht? Rosch HaSchana ist eine Mischung aus fröhlicher Feier und ernsthafter Reflektion, mit den Tönen des Schofar als Weckruf und runden Challot mit Honig als Geburtstagstorte! Zehn Tage später, am Jom Kippur, dem Versöhnungstag, wird es wirklich ernst. Wir kommen zusammen, um an unseren Seelen zu arbeiten und zu überlegen, was wir wirklich wollen: Für uns selbst, unsere Gemeinschaft, die Welt. Dabei essen und trinken wir ausnahmsweise nicht – 25 Stunden lang, kein Sex, und sogar kein Handy. Am Vorabend stehen wir ungeschmückt, weiß gekleidet, mit schlichten Turnschuhen vor dem geöffneten Tora-Schrank und hören das Kol Nidré, dessen eindrucksvolle Melodie uns seit eh und je begleitet und zur Umkehr mahnt. Einen vollen Tag später schließen wir ab mit unserem Glaubensbekenntnis, dem Schmá Jisra’él (Höre Israel) und mit einem letzten langen Schofar-Ton. Minuten später landen wir erleichtert am Esstisch!

 

Rosch HaSchana und Jom Kipur sind die eindrucksvollsten Tage im jüdischen Kalender. Was ist das Geheimnis, das diese Hohen Feiertage, Jamiem Nora’iem, umhüllt?

 

Gemeinsam Reflektieren

In unserem alltäglichen Leben versuchen wir zurecht zu kommen mit unseren Mitmenschen. Nicht umsonst steht genau in der Mitte der Tora: we-ahavtá le-re’achá kamócha: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Levitikus 19,18). Das Kapitel wird in vielen Synagogen am Jom Kippur nachmittags gelesen. Dieses Gebot ist ein starker Kontrast zur Ich-Kultur, die sagt: Ich stehe zentral, meine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse sollten befriedigt werden, und bitte sofort.

Die Hohen Feiertage verkörpern hingegen die Idee der Nächstenliebe. Zentral ist ja, dass Juden in der Synagoge zusammenkommen. Lo tow hejot ha-adam lewado: Es ist nicht gut für den Menschen allein zu sein, heißt es im Anfang des Buches Genesis (2,18). Allein sein ist nicht gut, nicht für mich, und nicht für uns –  und nicht für Gott, der uns ja braucht, um seine Gebote zu erfüllen. Diese Tage vermitteln die Idee dass wir nicht alleine sind – auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt, wenn man krank ist, oder alt, oder gerade getrennt, oder verwitwet, oder verwaist, oder wenn man gemobbt wird, in der Schule oder an der Arbeit.

Man schaut zurück auf das, was erreicht ist, aber auch auf das, was schief gegangen ist. Aus einer langen alphabetisch geordneten Reihe von Übertretungen und Verfehlungen, die man gemeinsam verliest, wählt man im Kopf die auf sich zutreffenden Begriffe aus (Cheschbon HaNefesch, Rechenschaftsablage). Ganz privat, aber im Bewusstsein, dass der Mensch neben mir Ähnliches tut.

 

Sich Zeit nehmen

Rosch HaSchana und Jom Kipur zeigen auch wie wichtig Zeit ist. Wir beklagen uns immer: Wir können die Zeit nicht still legen, sie vergeht so schnell, dass wir manchmal denken, dass sie ein Dieb ist, der unsere Tage und Jahre vor unseren Nasen wegstiehlt. Manchmal schlagen wir die Zeit tot und oft verschwenden wir sie. Selten investieren wir genügend Zeit in das, was wirklich wichtig ist: Zeit zum Zuhören, Zeit zum Meditieren, Zeit um Wegzuträumen.

Genau am Anfang eines seiner berühmtesten Bücher, Der Sabbat (1951, dt.: 1990) schreibt der amerikanische Rabbiner und Philosoph Abraham Joshua Heschel, dass “Judentum die Religion der Zeit ist, mit dem Ziel die Zeit zu heiligen” – sie also in etwas Besonderes zu verwandeln. Wir Juden haben keine Kathedralen, keine heiligen Orte, keine heiligen Gegenstände, kein heiliges Wasser und keine heiligen Menschen, stellt Heschel fest. Aber an den Hohen Feiertage heiligen wir die Zeit, indem wir sie uns nehmenfür uns selbst, für die Gemeinschaft, das Zusammensein, für Beten und Zuhören, Singen und Schweigen, im Stehen und Sitzen, munter die eigenen Fehler auflistend – im einfachen weißen Gewand, in Turnschuhen.

 

Nächstenliebe umsetzen als Fundament

Rabbi Hillel zitierte vor zweitausend Jahren den Bibeltext “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, ich bin der Ewige” und ergänzte: „Das ist das Hauptgebot, alles andere ist Kommentar, geh hin und lerne!“ (b.Talmud, Schabbat 31a). Das ist das Fundament, nicht nur des Judentums, sondern auch des Christentums (Markus 12,28-31) und des Islams – ein Grundsatz, ebenfalls in anderen religiösen und philosophischen Texten überliefert und bekannt als Goldene Regel “Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem Anderen zu.” Dieses Hauptgebot verlangt einen Perspektivwechsel in persönlichen Beziehungen und macht das Sich-Hineinversetzen in die Lage eines Mitmenschen zum Kriterium für moralisches Handeln. Genau das haben wir nicht ernst genommen: sonst würden keine Terrorattacken stattfinden, sonst würden Frauen nicht sexuell belästigt, sonst würden Flüchtlinge großzügiger in Europa aufgenommen, sonst gäbe es keine Kriege, keinen Hunger, keine Gewalt. Wir brauchen die Hohen Feiertage, um uns an das Gebot der Nächstenliebe zu erinnern.

An Rosch HaSchana und Jom Kipur geht es darum, unser Mitgefühl für andere Menschen, aber auch für Tiere und die Natur neu zu entdecken. Unsere Fähigkeit, Wissen zu sammeln und weiterzugeben gibt uns eine besondere Verantwortung für die Schöpfung. Die Natur kennt kein Mitleid, Tiere kennen Mitgefühl kaum, wir Menschen aber schon. Wir haben dafür ein sehr schönes hebräisches Wort –  RachmanutRachmones auf Jiddisch – von Rechem, das Gebärmutter/Uterus bedeutet, abgeleitet. Gott selbst ist unser Beispiel: HaRachaman, der Barmherzige, der Innig- und Intim-liebende Gott. Mitgefühl, Barmherzigkeit hat mit Intimität und Liebe zu tun. Nur wenn wir das Konzept in der Praxis umsetzen, kann es eine gerechte Gesellschaft geben, ist die Botschaft der Hohen Feiertage.

Es geht dann aber auch um das Benennen des Gegenteils von Mitgefühl, altmodisch gesagt unserer Sünden und Verstöße; die Verletzungen, die wir Anderen antun; um die Grausamkeit und den Schmerz, dessen Folgen wir benennen, wenn wir am Jom Kippur Jiskor sagen und unserer Toten gedenken. Weil wir als Juden wissen, was Schmerz und Grausamkeit bedeuten, weil wir die Gefahren von Aussperren, von Flucht, Diskriminierung und Schlimmerem kennen – auch und gerade deswegen sollten wir Juden Rachmones haben mit unseren verfolgten, diskriminierten und geflüchteten Mitmenschen, mit Menschen, die ihre Identität auch definieren und leben wollen.

 

Dazu brauchen wir diesen Weckruf: die Töne der Schofar und die Melodie von Kol Nidré, die unsere Seele immer wieder zutiefst berühren. Das ist das Geheimnis der Hohen Feiertage, von Rosch HaSchana und Jom Kippur, des Judentums, des Menschsein. Zehn Tage harter Arbeit für Leib und Seele: Eine Achterbahn.

 

Ich wünsche Ihnen:

Schaná towá u-mtuká – ein gutes und süßes Neues Jahr!

Tzom kal – ein gutes Fasten am Jom Kippur!

Gmar chatimá towá – möget Ihr eingetragen werden im Buch des Lebens!

 

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Nach einem Studium der Kunstgeschichte in Amsterdam absolvierte Edward van Voolen sein Rabbinatsstudium am Leo Baeck College in London. Er war 35 Jahre lang Kurator am Joods Historisch Museum Amsterdam und amtiert seit 25 Jahren als Rabbiner, zunächst in den Niederlanden, dann in Deutschland, momentan in Göttingen und Schleswig-Holstein. Seit 2003 lehrt er am Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam. Van Voolen publiziert über jüdische Religion, Kunst und Geschichte.

 
 

 

„Who by fire, who by water….“ Gedanken über den Tod und die Möglichkeit zu leben – anlässlich von Rosch Ha-Schana und dem 15. Sonntag nach Trinitatis 

von Aline Seel

Am Abend des 9. September beginnt in diesem Jahr Rosch Ha-Schana. Während in jüdischen Gemeinden alles zuläuft auf den Beginn des neuen Jahres (5779), wird in christlichen Gemeinden der 15. Sonntag nach Trinitatis gefeiert. Ich unternehme im Folgenden den Versuch, Rosch Ha-Schana als ‚Klangraum‘ für den Sonntag zu entdecken.

 

 

In Gottes Hand

An Rosch Ha-Schana wird der Schöpfung der Welt gedacht und zugleich ist das Fest der Tag an dem Bilanz über das vergangene Jahr gezogen wird. Es beginnen die Jamim Noraim (die ehrfurchtserweckenden Tage), die mit Jom Kippur, dem Versöhnungstag enden. Laut Talmud (Traktat Rosch Haschana 16b) werden die Gerechten, die Bösen und die Mittelmäßigen jeweils in ein Buch eingetragen und erhalten je nach ihren Taten das Siegel des Todes oder das Siegel des Lebens. So wird im Judentum u.a. folgender Wunsch an diesem Tag einander zugesprochen: “Ketivah VaChatimah Tovah" – ,,Möge dein Name im Buch des Lebens niedergeschrieben werden." Wichtig dabei ist die Frage, ob es etwas wie einen göttlichen Ratschluss gibt, inwiefern also unser Leben und Sterben in Gottes Hand liegen. Auf besondere Weise kommt dies in dem im aschkenasischen Judentum verbreiteten Pijut (eine für den liturgischen Gebrauch bestimmte Dichtung) Unetane Tokef zum Ausdruck.

 

„Wir wollen die Macht der Heiligkeit des Tages schildern (…) Du, Gott, öffnest das Buch des Gedenkens, aus ihm wird vorgelesen, die eigene Unterschrift jedes Menschen ist darin (…)Zu Rosch Ha-Schana sind sie eingetragen und am Jom Kippur wird ihr Schicksal besiegelt:

Wie viele diese Erde verlassen und wie viele sie betreten werden.

Wer leben und wer sterben wird,

Durch das Feuer und durch Wasser.

Durch das Schwert und durch Hunger.

Durch Sturm oder durch Seuche.

Wer ein friedliches Leben haben wird und wer ein unstetes

beschert bekommt.

Und wer Aufrichtigkeit bekommen wird und wer Unruhe.

Wer die Ruhe und wer die Qualen erleben wird.

Wer erhoben und wer gesenkt wird.

Wer reich und wer arm sein wird.“

 

Der Sänger Leonard Cohen nimmt Elemente dieses Gebetes in seinem Lied Who by Fire auf.

(...) “And who by fire, who by water,

who in the sunshine, who in the night time, who by high ordeal,

who by common trial,

who in your merry merry month of may,

who by very slow decay,

and who shall I say is calling?” (…)

 

 

 

Besungen, beklagt und gefeiert wird, dass wir Menschen unser Leben nur sehr begrenzt in der Hand haben. Wer ruft uns in Feuer und wer in Wasser,  ‚who shall I say is calling‘ …?

Im Evangelium des Sonntags steht in der Linie dieser Stimmung u.a. der Vers „Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?" (Mt 6,27) Menschliche Machtlosigkeit und Beschränktheit im Blick auf die Gestaltung des eigenen Lebens wird auch hier ernst genommen.

 

In unserer Hand

Wird im ersten Teil des Unetane Tokef göttliches Gericht über die Welt und menschliches Unterworfen-Sein beschrieben, findet sich im hinteren Teil der Dichtung der Aufruf, Verantwortung zu übernehmen: „Teschuwa (Umkehr), Tefila (Gebet) und Zedaka (Gerechtigkeit) wenden das böse Verhängnis ab“, heißt es da – ein Zitat aus einem Midrasch (Bereschit Rabba 44,12). Ein endgültiges Urteil steht von Rosh Ha-Schana bis Jom Kippur aus und bis dahin ist es durch Umkehr möglich, das Siegel des Lebens zu erhalten. Am jüdischen Neujahrsfest geht es also sowohl um unsere Vergänglichkeit als auch um die Möglichkeit, unser Leben im Angesicht des Todes bewusst zu gestalten. Was können wir Menschen in die Hand nehmen und wo werden wir von Gott in die Hand genommen? Allmachtsphantasien werden begrenzt und es wird ein Rahmen gesetzt für die Möglichkeiten menschlicher Verantwortung.  Wir leben begrenzt, haben begrenzten Einfluss und sind doch frei! Der Autor Gabriel Strenger, der Psychoanalyse und jüdische Spiritualität miteinander zu verbinden sucht, erläutert die im Unetane Tokef aufgezeigten Möglichkeiten der Gestaltung menschlicher Freiheit: „Teschuwa ist die Rückkehr zu unserem ursprünglichen, göttlichen Selbst. Tefila, das Gebet ist die Ausrichtung des Geistes auf Gott und das Überdenken der Prioritäten. Zedaka aber ist die Ausrichtung auf den Mitmenschen und seine Bedürfnisse.“ (Strenger, S. 414)

 

So wähle das Leben!

Uns Menschen ist das Leben und der Tod vorgelegt und die Möglichkeit zwischen beidem zu wählen. So heißt es gen Ende der fünf Bücher Mose:

Das Leben und den Tod habe ich dir vorgelegt, den Segen und den Fluch! So wähle das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen, indem du den HERRN, deinen Gott, liebst und seiner Stimme gehorchst und ihm anhängst! (Dtn 30,19f.)

Das Leben zu wählen und die Nähe zu Gott zu suchen, das geht in der Tora miteinander einher. Diese Wahl wird nicht selten behindert durch unsere Sorge und unsere Angst vor dem Leben und der Zukunft. Wir wissen nicht, wer durch Feuer und wer durch Wasser leben oder sterben wird und wir können es auch kaum oder gar nicht selbst bestimmen. Doch in jüdischer und in christlicher Tradition gibt es die Option bzw. den Weg in all dieser Sorge zu Gott umzukehren, sich auszurichten und zu beten.

 

Vertiefung menschlicher Freiheit im Angesicht des Todes

Rosch Ha-Schana und den 15. Sonntag nach Trinitatis verbindet das Angebot der Vertiefung unserer menschlichen Freiheit im Angesicht des Todes. Im Wochenspruch für den Sonntag steht: “Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch." (1. Petr 5,7). Und im Evangelium heißt es:  „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Mt 6,33) Die Hinwendung zu Gott ist eng verbunden mit der Ausrichtung auf den oder die Nächste, dem Tun von Zedaka (Gerechtigkeit) und der Befreiung aus unserem in-sich-verkrümmten, sorgenvollen Ego.

Juden und Christen verbindet im Angesicht von Leben und Tod immer wieder neu die Möglichkeit und zugleich die Forderung, zu Gott und so zum Leben in all seinen Tiefen und Stürmen und Wassern und Feuern umzukehren.

 

Quellen: Gabriel Strenger,  Jüdische Spiritualität, Basel 2016.

 

 
 

 

 

Sommer-Universität Jüdische und Christliche Mystik – Gemeinsamkeiten und Unterschiede Oder auch: Eine Woche, in der ich so viel Neues gelernt habe wie schon lange nicht mehr

Ein Bericht von Lisa Kunze, Teilnehmerin von der Universität Leipzig

 
 

 

Vom 23. Bis 27. Juli wurde vom Institut Kirche und Judentum an der Humboldt-Universität erneut eine jüdisch-christliche Sommer Universität veranstaltet. Zu diesem Anlass kamen die verschiedensten Menschen zusammen: Studierende, Professor*innen, eine Rabbinerin, Pfarrer*innen und interessierte Personen. Für mich war es eine spannende Erfahrung: meine erste Sommer-Universität behandelte mit Jüdischer und Christlicher Mystik ein Thema, mit welchem ich mich bisher noch nicht näher beschäftigt hatte. Gerade deshalb hat mich diese Woche umso mehr fasziniert.

 

Peter Schäfer, der Leiter des Jüdischen Museums Berlin, betrachtete zunächst Gershom Scholems Sicht auf die Mystik und erarbeitete im dazugehörigen Seminar mit den Teilnehmenden Fragmente aus antiken Texten, der sogenannten Hekhalot-Literatur unter der Fage, was daran mystisch sei. Ezechiel 1 wurde von Beate Ego, Professorin in Bochum, in ihrem Vortrag analysiert. Besonders der nicht benannte aber beschriebene Thronwagen Gottes weist Bezüge zu babylonischen Texten auf, hat aber auch Elemente, die von späteren Mystikern aufgegriffen wurden. Im Seminar gab sie einen Blick in die Forschungsliteratur, worin die Unterschiedlichkeit von Mystikdefinitionen auffallend war. Mit Johannes Zachhuber, Professor aus Oxford, wurde ein Blick auf Ernst Troeltsch’s Sicht auf Mystik gewagt und die Debatte im frühen 20. Jahrhundert beleuchtet. Der Chassidismus und Martin Bubers Einschätzung dieser Strömung  waren bei dem Religionphilosophen Paul Mendes-Flohr aus Jerusalem die Hauptthemen. Buber hatte für seine Analysen den Fokus auf die Geschichten gelegt, die zunächst mündlich tradiert wurden. Dies stellte für einige Wissenschaftler ein Problem dar. Der Kieler Professor Andreas Müller nahm die Teilnehmenden mit in die Welt der Mystik als Lebensweg – besonders in die Texte des Ioannes Sinaites. Es entwickelte sich in der Spätantike eine Bewegung, die eine asketische Lebensform als Voraussetzung für mystische Erfahrungen bedachte. Die doppelte Hermeneutik eines kabbalistisch-pietistischen Altarbildes aus Württemberg zeigte uns Elke Morlok aus Frankfurt. Durch Symbole und Hintergrundwissen konnten Eingeweihte darin den Aufstieg zu Gott erkennen. Zusätzlich führte Frau Morlok die Teilnehmenden in die Kabbala ein und las einen Abschnitt aus der Einleitung des Buches Zohar. Volker Leppin, der in Tübingen lehrt, nahm die Teilnehmenden mit zu Martin Luther und berichtete von dessen besonderer Beziehung zur Mystik. Eine Parallele zu Jenseitsreisen in Texten des Spät-Mittelalters wurde dann zum Abschluss mit Julia Weitbrecht aus Kiel hergestellt. Es gibt eine Motivähnlichkeit mit der Mystik und parallele Ideen vom Aufstieg zu Gott, aber auch eindeutige Unterschiede, wie z.B. die Idee, dass man bei den Jenseitsreisen Himmel und Hölle betrachtet.

 

Neben der wissenschaftlichen Betrachtung wurden auch andere Räume der Begegnung geschaffen. Am Montag wurde die Sommeruni mit einem Eröffnungsvortrag und einem Empfang begonnen. Im Vortrag warf der Veranstalter der Sommeruniversität, Christoph Markschies, einige Fragen auf, die im Lauf der Woche immer wieder aufgegriffen wurden: Brauchen wir einen weiten oder engen Mystikbegriff? Muss man selber Mystiker sein, um den Begriff zu verstehen? Und wie werden mystische Erfahrungen in den Begriff integriert. Im Anschluss konnte man sich bei Getränken und Snacks kennenlernen. Am Dienstag Abend gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema Jüdische und Christliche „Mystik“ – Gemeinsamkeiten? Neue Eindrücke zum Thema Mystik konnten die Teilnehmenden auch bei einem gut besuchten Konzert am Mittwoch Abend in der Parochialkirche erleben. Tehila Nini Goldstein und Jascha Nemtsov präsentierten mystisch beeinflusste Musik aus verschiedenen jüdischen Kulturen. Am Donnerstag schloss sich an das wissenschaftliche Programm eine Stadtführung zum jüdischen Berlin an, bei der Wirkungsstätten wichtiger Persönlichkeiten, die ehemalige und die neue Synagoge, der älteste jüdische Friedhof Berlins und weitere Orte besucht wurden.

 

 

Ich habe in dieser Woche unglaublich viel gelernt. Die Fülle an neuen Eindrücken hat mich sehr beeindruckt und ich werde noch eine Weile brauchen um alles zu bündeln. Es tauchte immer wieder die Problematik auf, wie Mystik genau definiert wird und ob ein bestimmter Text als mystisch gelten kann oder nicht. Besonders die Arbeit mit konkreten Texten, z.B. aus der Kabbala oder anderen mystischen Strömungen fand ich sehr spannend. Der Mix aus jüdischen und christlichen Dozierenden und Teilnehmenden hat die Veranstaltung und den Dialog sehr bereichert. Durch die Breite an Themen haben wir in viele Bereiche mal hineingeschaut und in einigen wurde ich zur weiteren Beschäftigung angeregt. Die sehr gelungene, anregende und spannende Woche habe ich in vollen Zügen genossen.

 
 

 

 
 

 

One-Language: Sacred Text, Many Views. Eine Woche dialogische Hermeneutik in Israel

von Rebecca Waechter

 
 

 

Wie kann ein interreligiöser Workshop auf der Basis des gemeinsamen Heiligen Textes funktionieren? Dieser und weiterer Fragen wurden vom 12.-18. Juli 2018 an der Bar-Ilan Universität unter der Leitung von Rabbi Shabtai Rappaport, Begründer des Nitzotzot Programms, und Alexander Deeg, Professor für Praktische Theologie an der Universität Leipzig, diskutiert. Vor einem Jahr war bereits aus einem internationalen Seminar im Rahmen der Summer School anlässlich des Reformationsjubiläums der Entschluss entstanden, die Idee gemeinsamer Textbetrachtung weiterzutragen und zu entwickeln. Letztes Jahr in Wittenberg, dieses Jahr in Tel-Aviv trafen sich Studierende, Promovierende, Dozierende und Multiplikator*innen aus Polen, Deutschland, Ghana, Israel und Ägypten. Orthodoxe Juden, evangelische, katholische und orthodoxe Christen und Christinnen, um über Texte zu sprechen, die Judentum und Christentum miteinander verbinden. In diesem Jahr stand die Josefsgeschichte im Mittelpunkt. Verbindend war die Idee, die eigenen Traditionen der Textauslegung für ein paar Tage beiseite zu legen und den Text in seiner vorliegenden Gestalt synchron zu betrachten. Wie schafft man Räume für viele verschiede Sichtweisen auf einen Text? Wir versuchten, uns durch unterschiedliche Methoden in all unserer Verschiedenheit dem Text auf Augenhöhe zu nähern. Manchmal benötigten wir Stunden für die Auseinandersetzung mit einzelnen Versen – und es entbrannten spannende Diskussionen über Josefs Träume, seine Familie und seine Motivationen.

Zwei Blitzlichter:

Mich hat beeindruckt, dass ein Kapitel eine neue und sinnvolle Sichtweise bekommen kann, wenn man als Ausgangspunkt den scheinbar unwichtigsten Vers des Kapitels wählt. Ausgehend etwa von Gen 42, 26 „Und sie luden ihre Ware auf ihre Esel und zogen von dannen“ entsteht eine neue Sichtweise für die Interpretation des gesamten Kapitels.


Neu war für mich auch zu fragen, warum Joseph, obwohl er in einer beduinischen Lebensweise lebt, von aufgestellten Ähren, also Ackerbau träumt. Auch neben historisch-kritischer Auslegung wurden dafür spannende Anregungen gefunden. Der Traum könnte von strukturellen Veränderungen im Hinblick auf die Lebensweise und die Landwirtschaft erzählen. Er könnte aufzeigen, dass Joseph derjenige sein wird, der die Unterschiede der Söhne mit den unterschiedlichen Müttern – eine gespaltene Familie – aufheben wird. Da sich alle Brüder unter ihm vereinigen und zu einem Volk werden.


Die  Sommeruniversität „Sacred Text, Many Views“, die auch in Zusammenarbeit mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (Dr. Dagmar Pruin) und dem Institut für Christlich-Jüdische Studien und Beziehungen an der Augustana Hochschule (Dr. Axel Töllner) stattfand, war eine intensive Woche und für mich ein neuer, innovativer und bereichernder Beitrag zum jüdisch-christlichen Dialog. Bereichert wurde das Programm mit interdisziplinären Vorträgen von Professoren der Bar-Ilan Universität aus den Bereichen der Psychologie (Prof. Tuvia Peri), Philosophie (Prof. Ephraim Meir) und der Nanotechnologie (Prof. Dror Fixler). Aus den Diskussionen ergaben sich viele verschiedene Antworten und spannende Erkenntnisse, aber es blieben auch Fragen offen. Zum Glück geht es weiter! Auch für nächstes Jahr ist eine interreligiöse Summerschool geplant.

 

Weitere Informationen unter: nitzotzot.mgl.org.il/events/Bible_Workshop_2018/

 
 

 

Termine Institut Newsletter

31. Oktober 2018

Ausstellung „Martin Luther und das Judentum – Rückblick und Aufbruch“

Es ist uns eine große Freude, die Ausstellung „Martin Luther und das Judentum – Rückblick und Aufbruch“ in der Theologischen Fakultät, dem Sitz des Instituts und seiner Bibliothek, zu Gast zu haben. Die Ausstellung wurde von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der EKBO und des  jüdischen Touro-Colleges Berlin erarbeitet, der unser langjähriger Leiter Peter von der Osten-Sacken angehört hat. Auch nach entsprechenden Initiativen im Reformationsjahr 2017 ist es uns weiter wichtig, uns mit dem schwierigen Erbe, das Martin Luther und andere reformatorische Theologen uns mit ihren antijüdischen Schriften hinterlassen haben, auseinanderzusetzen. Die Ausstellung bietet dazu vielfältige Möglichkeiten.

 

Sie steht vom 31.10. bis zum 30.11. im Foyer der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin in der Burgstr. 26. Ein Besuch ist im Rahmen der Öffnungszeiten des Gebäudes (Montag - Freitag, 08.00 - 20.00 Uhr) möglich. Führungen werden auf Anfrage angeboten (mail@ikj-berlin.de).

 

17.00 Uhr Eröffnung der Ausstellung, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies im Gespräch mit Sara Nachama und Prof. Dr. Dres. h.c. Peter von der Osten-Sacken, Theologische Fakultät, Burgstraße 26

 

18.30 Uhr Gottesdienst zum Reformationstag: 501 Jahre Baustelle - Reformation und Judentum

 

Ort: Sophienkirche, Große Hamburger Str. 29-30

Eine gemeinsame Veranstaltung der Evangelischen Kirchengemeinde am Weinberg, des Instituts Kirche und Judentum und der Pfarrei Herz-Jesu

 

 

9. November 2018

Gottesdienst im Gedenken an die Novemberpogrome vor 80 Jahren

Im Streit. Paulus schrieb in unruhigen Zeiten an die Gemeinde in Rom den bedenklichen Satz. „Seid der Obrigkeit untertan!“ Er schrieb aber auch "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ (Römer 12,21) Zwei Sätze im Streit. Angesichts ihrer Spannung ringen wir um gebotene Formen des Handelns und Gedenkens in Zeiten, die uns unruhig machen. Im Gottesdienst erbitten wir Gottes Beistand. Dazu laden wir Sie und Euch sehr herzlich ein.

 

 

Der Gottesdienst im Gedenken an die Novemberpogrome 1938 findet am 9. November um 19 Uhr in der Luisenkirche, Gierkeplatz 4, 10585 Berlin statt – in Kooperation dem Institut Kirche und Judentum und Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. 

 

 

8.-10. Oktober

Tagung Identität. Macht. Verletzung. Rassismuskritische Perspektiven

 

Berlin Schwanenwerder

Weitere Informationen unter:

https://www.eaberlin.de/seminars/data/2018/kul/identitaet-macht-verletzung

 

 

26.November 2018

Anpassung, Abgrenzung und Eigenständigkeit. Jüdische und christliche Reformbestrebungen im 19. Jh und heute – Studientag aus Anlass des 250. Geburtstags von Friedrich Schleiermacher 

Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt

Eine Kooperation des Instituts Kirche und Judentum mit der Evangelischen Akademie zu Berlin und der School of Jewish Theology

Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert hält die Aufklärung Einzug in die Theologie, sowohl auf christlicher als auch auf jüdischer Seite. Die Religionen verbindet u.a. die Suche nach einer zeitgemäßen, auf Ethik konzentrierten Glaubenspraxis, die das Religiöse nicht preis gibt. Der erste Tempel der jüdischen Reformbewegung wurde am 17. Juli 1810 in der Stadt Seesen im  Harz durch Israel Jacobson (1768–1828) gegründet. Wenig später zog Jacobson nach Berlin und war 1815 maßgeblich an der Gründung der ersten Berliner Reformsynagoge in der Burgstr. beteiligt. Während das Reformjudentum in der Mitte Berlins entsteht, predigt der Theologe Friedrich Schleiermacher unweit entfernt in der Dreifaltigkeitskirche. Auch er ringt um theologische Erneuerungen und setzt sich zudem für eine rechtliche Emanzipation der Juden ein. In seinen Reden allerdings erscheint das Judentum als lange schon „todte Religion“ („Über die Religion“, 1799) und in seinem theologischen Hauptwerk „Der christliche Glaube“ von 1821 spricht er von der „Unreife“ des Judentums.

Der Studientag dient dazu, sich mit diesen Zusammenhängen zu beschäftigen und ein klareres Bild davon zu gewinnen, warum und wo jüdisch-christliche Kommunikation in dieser Zeit gelang, aber auch abbrach und scheiterte. Aus welchen Motivationen und mit welchen Folgen entstanden christliche und jüdische Reformbewegungen? Wo gab es gegenseitige Beeinflussungen und welche Rolle spielten christlicher Antisemitismus und jüdische Emanzipation?

 

Die Geschichte ragt in die Gegenwart hinein und so fragen wir nach ihren Spuren, um für heutige Reformen zu lernen.

 

 

Weitere Informationen in Kürze auf www. ikj-berlin.de

 
 

 

Neuerscheinungen

 
 

 

SKI.NF 13 Theodicy and Protest

Jewish and Christian Perspectives

Studien zu Kirche und Israel. Neue Folge, Band 13.

Beate Ego | Ute Gause | Ron Margolin | Dalit Rom-Shiloni (Eds.)

 

The question of theodicy is one of the central topics of monotheistic religions. Where as polytheistic systems of religion can interpret plausibly negative experi­ences, such as suffering, disease and violence, as being caused by different gods, monotheistic systems are ­facing the challenge of explaining these contradictory experiences of reality with the acting of the »one« God. 

 

The contributions to the present volume by Jewish and Christian scholars from Israel and Germany show how Judaism and Christianity over the centuries have dealt with this problem. In this context, it becomes clear that in both religions human protest plays a ­special role.
With articles by Yairah Amit, Beate Ego, Ute Gause, Katharina Greschat, Judith Hahn, Yair Hoffman, Traugott Jähnichen, Isolde Karle, Ron Margolin, Barbara Meyer, Noam Mizrahi, Frank Polak, Dalit Rom-Shiloni, Günter Thomas, Christian Weidemann, Gunda Werner and Peter Wick.

 

 

2018
268 Seiten | 15,5 × 23 cm
Paperback
WGS 2542
ISBN 978-3-374-05445-9 

48,00 EUR (inkl. 7 % MWSt. zzgl. Versand)

 

Mehr Informationen finden sie hier.

 
 

 

SKI.KR 2 Ob es wahr und glaublich sei…

Eine Widerlegung der judenfeindlichen Ritualmordbeschuldigung
Studien zu Kirche und Israel. Kleine Reihe (SKI.KR), Band 2
Andreas Osiander

Herausgegeben von Matthias Morgenstern und Annie Noblesse-Rocher

Diese Schrift des deutschen Reformators Andreas Osiander ist einer der wenigen Texte seiner Zeit, der die Juden gegen die ungerechtfertigten Anklagen verteidigt, denen sie seit dem Mittelalter ausgesetzt waren. Die perfideste und gefährlichste dieser Anklagen war die Behauptung, die Juden bemächtigten sich christlicher Kinder, um sie zu töten und ihr Blut für rituelle Zwecke zu gebrauchen. Der Nürnberger Reformator Andreas Osiander (1498–1552), der bei einem Juden Hebräisch gelernt hatte und jüdische Traditionen kannte, zeigt in seinem zunächst anonym publizierten Traktat mit theologischen, philologischen und logischen Argumenten die Absurdität dieser Anklagen. Diese erste Ausgabe seiner Schrift in heutigem Deutsch macht die biblischen und talmudischen Quellen Osianders sichtbar und zeichnet seinen Gedankengang nach.

 

2018
128 Seiten | 12 x 19 cm
Paperback
WGS 2542
ISBN 978-3-374-05661-3 

 

18,00 EUR (inkl. 7 % MWSt. zzgl. Versand)

 

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ANTZ 13 Jüdische Literatur zwischen Bibel und Mischna

 

Eine historische und literarische Einführung

George W. E. Nickelsburg

Aus dem Amerikanischen von Gesine Palmer, herausgegeben von Andreas
Bedenbender und Markus Witte.

Die Zeit des Zweiten Tempels ist in religions- und literaturgeschichtlicher Hinsicht für das antike Judentum wie für das sich aus diesem entwickelnde frühe Christentum von überragender Bedeutung. So etablieren sich in persischer und hellenistischer Zeit die wesentlichen jüdischen Identitätsmerkmale wie die Vorstellung von einem einzigen Gott, der bildlos zu verehren ist, und von der einen Tora, in der dieser Gott dem von ihm erwählten Volk Israel das "Gesetz des Lebens" geschenkt hat. Der vorliegende Band bietet eine historische und literaturgeschichtliche Einführung in die jüdischen Schriften aus der Zeit des Zweiten Tempels. Dabei werden die religions- und sozialgeschichtlichen Entwicklungen nachgezeichnet, die in persischer und hellenistischer Zeit zur Herausbildung ganz unterschiedlicher Judentümer in Jerusalem, Samaria, Qumran, Alexandria und in der babylonischen Diaspora führten. Die wichtigsten Bücher der sogenannten Apokryphen und Pseudepigraphen zum Alten Testament sowie die Werke Philos von Alexandria und Josephus' werden hinsichtlich ihrer Komposition, ihrer historischen Situation sowie ihrer theologischen Bedeutung vorgestellt. Beigegeben sind dem Werk umfangreiche Bibliographien.


2018, geb. 513 S.

34,90 € (inkl. Mwst., zuzügl. Versand)Eine historische und literarische Einführung

ISBN 978-3-938435-02-1 

 
 

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